Entwicklung des Mountainbikens in Europa und Österreich: Auswirkungen auf die Trail-Bauindustrie
Die Welt verändert sich, und das gilt auch für den Mountainbikesport. In der Tat ist Mountainbiken absolut nicht mehr dasselbe wie vor 10 Jahren. Der wesentliche Unterschied liegt darin, dass Mountainbiken heute viel schneller, einfacher und spaßiger ist als früher. Der Grundstein für diese Entwicklung wurde durch einige bedeutende technische Neuerungen gelegt. In den letzten zehn Jahren haben Ingenieure, die oft selbst begeisterte Mountainbiker sind, Rahmen und Teile entwickelt, die höhere Geschwindigkeiten, schnellere Kurvenfahrten - und vor allem einfacheres Springen, Droppen und das Befahren von extrem steilen Gelände ermöglichen. Gleichzeitig ist das Material viel leichter geworden, so dass ein modernes Trail- oder Enduro-Mountainbike, das noch vor wenigen Jahren zu schwer gewesen wäre, um bergauf pedaliert zu werden, heute mit Leichtigkeit jeden Hügel hinauf klettert. Einzige Voraussetzung ist eine gewisse Grundfitness und die Bereitschaft, rund 5000 Euro für ein modernes Mountainbike auszugeben.
Mit dem optimierten Material konnte eine neue Generation von Fahrern die Mountainbikes an ihre Grenzen bringen und schneller, geschmeidiger und vor allem mit mehr Stil fahren. Diese neuen Fahrer begannen höher und weiter zu springen und übertrugen die Tricks, die zuvor nur auf Dirtbikes und BMXs möglich waren, auf das Mountainbike. Diese Entwicklung verlief im Mountainbiking ähnlich wie in den meisten anderen Action-Sportarten, wie etwa Skateboarden, Snowboarden oder Freeskiing. Ein größeres Vertrauen in das Material war immer Voraussetzung dafür, dass die Athleten in den verschiedenen Sportarten die Grenzen des Machbaren immer weiter verschieben konnten.
Mit der Einführung der Elemente "Flow" und "Play" im Mainstream-Mountainbiking traten die früher vorherrschenden Treiber "Kraft" und "Fitness" in den Hintergrund. Heute ist die Relevanz des spaßorientierten Trail- und Enduro-Mountainbikens, vor allem für die Gesamtwahrnehmung - und natürlich auch die Vermarktung des Sports - enorm. Für diese neue Art des Mountainbikens werden von den Nutzern entsprechende Bike-Einrichtungen gefordert, die nicht nur offizielle Mountainbike-Strecken, sondern auch Trail- und Skills-Center, Pumptracks und Bikeparks umfassen. In den folgenden Abschnitten möchten wir einen kleinen Überblick über die verschiedenen Arten von Mountainbike Einrichtungen befassen.
Mountain Bike Trails
In vielen Regionen ist die Nutzung von Wanderwegen die einzige Möglichkeit für Mountainbiker, ihren Sport auszuüben. Natürlich hat das Befahren von Wanderwegen mit Fahrrädern einige gravierende Nachteile. Erstens wird die gemeinsame Nutzung von Wanderern meist nicht gut akzeptiert (in Österreich z.B. ist das Radfahren auf Wanderwegen generell verboten). Dieser Umstand ist insofern nachvollziehbar, als Wanderer langsamer unterwegs sind und eher nach Ruhe und Entspannung suchen, während Mountainbiker, zumindest in der Abfahrt, eher auf Action aus sind. Zweitens sind Wanderwege oft nicht gut für das Mountainbikes geeignet, da diese Wege entweder sehr breit und daher eher langweilig zu fahren sind oder auch das Gegenteil, nämlich zu schmal, zu steil und gelegentlich ausgesetzt sind, sodass sie für die meisten Radsportler zu schwer zu bewältigen sind. Aus diesem Grund werden immer mehr dezidierte Mountainbikestrecken gebaut. Dadurch können Konflikte auf Wanderwegen vermieden und ein höherer Fahrspass erzielt werden. Um den hohen Ansprüchen an einen guten Mountainbike Trail gerecht zu werden, sind Trailbauer in vielerlei Hinsicht gefordert - eine gute Bikestrecke sollte vielseitig und aufregend zu fahren sein - gleichzeitig sollte der Fahrer aber keinen unnötigen Risiken ausgesetzt werden. Darüber hinaus sollten der Trailbau strengen technischen Richtlinien folgen, um die Langlebigkeit zu maximieren und die notwendigen Wartungskosten zu minimieren. In diesem Zusammenhang wollen wir beifügen, dass Die International Mountain Bike Association (IMBA Europe) für jeden Menschen, der mit Trailbau und Bikeparks zu tun hat, die erste Adresse ist, wenn es um Best Practice Beispiele und nachhaltige Baumethoden geht.
Ein Mountainbike-Trail, die Flow Line 402, gebaut von Trailtech.at (und anderen) in Österreich in Schladming/Steiermark
Bike Parks
Akteure im Tourismus erkennen zunehmend das Mountainbiken als wichtigen Faktor für den Sommerbetrieb. Um Umsätze durch Lifttransporte, Gastronomie und Dienstleistungen zu erzielen, wird viel investiert, um qualitativ hochwertige Trails für die stark wachsende Zahl an Mountainbike-Begeisterten bereitzustellen. Dabei müssen die Entwickler und Betreiber die Bedürfnisse einer breiten Zielgruppe erfüllen. In einem hochwertigen Bikepark soll das gesamte Spektrum an Nutzern und deren Wünsche abgedeckt werden – sei es die Familie, die Erholung und Outdoor-Aktivität sucht, oder die Abenteuerlustigen, die auf ihren Bikes nach Nervenkitzel und Herausforderungen streben. Auch die naturverbundenen Mountainbiker, die eine individuelle Erfahrung in der Wildnis suchen, werden nicht vergessen. Die Produkte und Dienstleistungen eines typischen Bikeparks umfassen nicht nur gut gepflegte und abwechslungsreiche Trails, sondern auch eine gute Beschilderung und Leitsysteme, sicheren und effizienten Transport von Bikes und Personen, hochwertige Verleihstationen, Speisen und Getränke, Ruhezonen und Bike-Service-Stationen.
Die Jungs shredden den Bikepark Reiteralm in der Steiermark, Österreich.
Trail- & Skillscenter
Im städtischen Umfeld ist der Platz für Sportanlagen oft sehr begrenzt. Daher haben sich die Entwickler Konzepte ausgedacht, die nicht nur mit dieser Einschränkung zurechtkommen, sondern auch Vorteile daraus ziehen. Indem das Potenzial des gegebenen Geländes voll ausschöpfen wird, zB. dadurch dass Trails parallel verlaufen, zusammengeführt und wieder verzweigt werden und Trailabschnitte mitunter gegenseitig unter- und überqueren und dabei alle möglichen Synergien zwischen den Trail Features genutzten, können Trailplaner nicht nur Platz sparen, sondern auch einen sehr attraktiven und actionreichen Ort mit großer Vielfalt an Trails und vielen Fahrmöglichkeiten, selbst auf sehr begrenztem Raum, schaffen.
Mountainbike-Trailcenter gebaut von Trailtech.at in Au-Schoppernau, Vorarlberg, Österreich.
Pumptracks
Asphaltierte Pumptracks mit den typischen Wellen, Steilkurven und Sprüngen sind der neue Hype. Der Clou: Durch die wellenförmige Gestaltung und die glatte Oberfläche kann mit einem rollenden Sportgerät nur durch "Pumpen" - also durch Auf- und Abbewegen der eigenen Körpermasse - durch die Bahn 'gepumpt' werden, was den Fahrer auf der Rückseite von Rollen oder aus Bermen heraus beschleunigt. Immer mehr Städte, Gemeinden und touristische Regionen greifen diesen Trend auf. Der Grund dafür ist, dass Pumptracks gerade für Kinder, Jugendlichen und Familien - egal ob Anfänger oder Könner - so attraktiv sind. Außerdem sind Pumptracks echte Multisportanlagen, die nicht nur mit Fahrrädern, sondern auch mit Skateboards, Rollerblades oder Scootern - eigentlich mit allem, was rollt - genutzt werden können:)
Indoor-Pumptrack gebaut von Velosolutions AT/Trailtech.at im Multisport-Abenteuerpark „Area47“ im Ötztal (Tirol, Österreich).
Schlussfolgerung
Für die wachsende Zahl von Mountainbikern werden mehr spezielle Mountainbikestrecken und -einrichtungen wie Pumptracks, Trailcenter und Bikeparks benötigt. Da das Mountainbiken weltweit zu einer der wichtigsten Freizeitbeschäftigungen geworden ist, hoffen wir sehr, dass durch die professionelle Arbeit der Planer und Trailbauer auf der ganzen Welt diesem nicht zu vernachlässigenden Trend Rechnung getragen wird. Erst recht in Österreich, wo aufgrund des Klimawandels und der drastischen Verteuerung des Skigebietsbetriebs neue Angebote wie Bikeparks für die Sommersaison entwickelt werden müssen.
Für die Errichtung der vielen neuen Bike Trails und Anlagen müssen natürlich genaue Regeln eingehalten werden, um nachteilige Auswirkungen auf Natur und Umwelt aber auch auf andere Naturnutzer und Erholungssuchende zu minimieren. Nur so kann auch die nötige Akzeptanz für den Mountainbike Sport gesichert werden.